Südostbayerische: Stadt will großes Gewerbegebiet ausweisen

Aus der Südostbayerischen Rundschau vom 30.7.2010

Laufen (höf). Mit Ängsten und Halbwahrheiten werde hier gearbeitet, beklagte Bürgermeister Hans Feil und meint die Aktionen der Triebenbacher Brückengegner. Es gehe nicht um die Salzburger Wirtschaft, sagte er, sondern ausschließlich um eine Entlastung von Oberndorf und Laufen. Die Brücke ist ebenso Bestandteil des neuen Flächennutzungsplans wie ein zusätzliches Gewerbegebiet zwischen Lepperding und Niederheining. Landschaftsplaner Wolf Steiner ging mit Laufens Stadtrat nochmal einzelne Stellungnahmen zum Entwurf des Planes durch.
“Wir haben uns auch in der Vergangenheit bemüht, Chancen zu erarbeiten”, sagte Hans Feil. Eine solche Chance sieht er nun. Die Fridolfinger Firma Rosenberger ist bei der Firma Hörl eingestiegen. Eine Erweiterung am derzeitigen Standort beim Rehrlhof in Mayerhofen ist nicht möglich. Weil man aber den Betrieb in Laufen halten will, wird die Stadt ein 4,7-Hektar-Areal an der Bundesstraße bei Lepperding/Sturz in den Flächennutzungsplan aufnehmen. “Es ist das größte Gewerbegebiet, das Laufen je gemacht hat”, betonte Feil. “Es ist eine der wenigen Flächen, die sich eignet”, erklärte Planer Wolf Steinert dazu, “und was sehr ernst genommen wird, ist das Anbindegebot.”, sprich: eine vorhandene Siedlungs- und Straßenstruktur. Die Fläche der ehemaligen Bohrstelle nahe Mayerhofen wurde als Gewerbegebiet gestrichen, da die “vorhandenen Funktionen” – Sport und Wohnen – “nicht beeinträchtigt werden sollen”.”Die Papiere werden dünner”, meinte Steinert, und ging nur mehr auf wenige Einwendungen in der 17-Seiten-Sitzungsvorlage ein, da die Planung weitgehend geblieben sei (wir hatten mehrfach berichtet).

“Wir gehören jetzt zum Biosphären-Reservat, aber ich sehe keine Konsequenzen”, kritisierte Werner Eckl, der insgesamt “eklatante Widersprüchlichkeiten” im Entwurf zu erkennen glaubt. “Ein Qualitätsmerkmal für eine Region bedeutet nicht, dass man plötzlich grundsätzlich andere Ziele verfolgt”, widersprach Steinert, “eine ökologische Ausrichtung bleibt der erste Schritt im Flächennutzungsplan”. Auch in Triebenbach wolle man “konträre Visionen verkaufen”, bohrte Eckl weiter, einerseits Erholungsgebiet, gleichzeitig Brückenstandort.

Eine mögliche Salzachbrücke war auch Thema bei Franz Eder: “Es ist sehr fraglich, ob die kommt, und wenn ja, wann?” Man müsse jetzt die Situation in Laufen so gut es gehe verbessern. Ein besonderer Dorn im Auge ist Eder eine 18-Auto-Parkfläche hinter dem Polizeigebäude zulasten des Kinderspielplatzes. “Die Spielfläche lässt sich problemlos nach hinten verschieben”, beschrieb Feil die Situation, “gerade dieser umstrittene Punkt hat dazu geführt, dass das Projekt Polizei-Neubau bis heute nicht begonnen wurde.” Dabei sei es wichtig, den Verbleib zu sichern. “Je früher, desto besser.”

“Wir wollen keine Scheibchen-Taktik”, analysierte Steinert die Lage bei Oberheining und Moosham, “diese Orte sollen nicht zusammenwachsen”. Zu den Altlasten-Verdachtsflächen gehört der Schießstand bei Emmering. Laufens Stadtrat hatte eine Erweiterung kürzlich abgelehnt (wir berichteten), daher bleibt die bisherige Darstellung. Der geänderte Entwurf des Flächennutzungsplans wird nun erneut zwei Wochen ausgelegt. Stellungnahmen können nur zu den geänderten oder ergänzten Teilen abgegeben werden. 15 Stadträte stimmten dem Entwurf zu, Agnes Thanbichler, Isabella Zuckschwerdt und Werner Eckl lehnten ab.

Die Abstimmung im Bauausschuss war mit fünf zu vier denkbar knapp ausgegangen. Daher musste die Bauvoranfrage von Gerhard Vogl in den Stadtrat. Der Abbruch eines Nebengebäudes und der Neubau eines Doppelhauses an der Seethalerstraße war unumstritten; womit sich etliche Räte nicht anfreunden wollten, war die Erhöhung der bestehenden “Villa” um 60 Zentimeter und damit mehr Schatten für die Nachbarn. “Man muss deren Bedenken ernst nehmen”, forderten Wilhelm Winkler und Herbert Fial. Die nämlich hatten damals nur in Kniestockhöhe bauen dürfen. “Und nun haben sie den Schaden”, so Agnes Tahnbichler, “man muss sich auf die Gemeinde verlassen können”. Die Bürger könnten sich auf den Bebauungsplan verlassen, korrigierte Geschäftsleiter Manfred Niedermeier, nur: das betreffende Areal sei nicht Bestandteil eines Bebauungsplanes.

Einen solchen forderten Isabella Zuckschwerdt und Gerti Spitzauer. “Wollen wir was gestalten oder lassen wir uns was gestalten?”, fragte sie ins Rund. “Damit begeben wir uns auf gefährliches Eis”, warnte Bürgermeister Hans Feil, “denn: es besteht Baurecht und ein neuer Bebauungsplan würde möglicherweise Baurecht einschränken.” Mit der Folge, dass die Stadt regresspflichtig gemacht werden könnte. Klaus Kalb warb für eine Zustimmung, um Rechtssicherheit zu haben und das Landratsamt die Sache klären zu lassen. Dr. Matthias Leistner wollte einen Kompromiss. Doch wo sollte der liegen, fragte Feil den “lieben Matthias”: bei 20 oder 30 oder 40 Zentimetern? Es sei dem Stadtrat zugestanden, Stellung zu beziehen und die Angelegenheit klären zu lassen, meinte Peter Morawietz eindringlich, “wo samma denn?”. 12 Räte lehnten schließlich den Empfehlungsbeschluss des Bauausschusses ab. Verzichte der Anfrager jedoch auf eine Aufstockung, dann will man das “gemeindliche Einvernehmen erteilen”. Dafür stimmten zehn Mitglieder zu, sieben dagegen.

Autor: Hannes Höfer

(Quelle: http://www.südostbayerische.de/lokal/text.php3?satz=21114)

Dieser Beitrag wurde unter Presse veröffentlicht. Setzen Sie ein Lesezeichen auf den Permalink.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.