“Den Kapitalismus grün anstreichen genügt nicht” in der SOR 02.08.2011 von Hannes Höfer

Erich Althammer und Peter Schuster informieren Fr. Bulling Schröter über die Brückenbaupläne Foto: Hannes Höfer

“Den Kapitalismus grün anstreichen genügt den Linken nicht”

Eva Bulling-Schröter trifft sich mit Brückengegner – „Wir brauchen Entschleunigung“

Laufen (höf). 14 Tage war Eva Bulling-Schröter durch Bayern gereist. Von Hof bis Laufen. Der Euro und Griechenland beschäftige die Menschen, sagte sie. Und die Umwelt. „Die Bürger sind kritischer geworden“, stellte die Linken-Abgeordnete fest, „und sie erkennen, dass die Natur einen Wert an sich hat“. Und genau diese Natur, die Auen bei Triebenbach, wollte die Bürgerinitiative „Für Lebensqualität im Rupertiwinkel“ der Vorsitzenden des Bundestagsausschusses für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit zeigen; und hatte sie deshalb zu diesem Ortstermin eingeladen.

„Es geht fast überall um’s Gleiche“, sagte Eva Bulling-Schröter an der Salzach. Um Ortsumgehungen und um Gewerbegebiete. „Immer mehr Bürger fragen, ob diese Entwicklung richtig ist“. Eines ist für sie klar: „Den Joghurtbecher durchschnittlich 3000 Kilometer zu transportieren, das kann’s sein.“ Man sollte über eine Bundesstraßen-Maut nachdenken, meint die Ingolstädterin. In dieser Ansicht würden sie auch immer mehr Bürgermeister bestärken. Gleichwohl könne das nur eine kurzfristige Lösung sein; letztlich brauche man eine andere Verkehrspolitik.

Werner Eckl sieht hier ebenfalls eine Zeitfrage: „Wann käme denn diese neue Salzachbrücke – wenn überhaupt?“. Für den Linken-Stadtrat muss es raschere Lösungen geben. Vier Problembereiche beziehungsweise Lösungsansätze stellen sich aus seiner Sicht: zunächst die Ortsdurchfahrt von Oberndorf, die für die Pendler unattraktiver werden müsse; zum Anderen der behindernde Kreisverkehr bei Anthering, die Autobahnauffahrt Hagenau, die schnellstmöglich zu verwirklichen sei. Und schließlich eine mautfreie Nutzung des Autobahnrings um Salzburg.

Für Bulling-Schröter stellen sich zwei Fragen: Braucht es dieses Geld nicht für Sinnvolleres? Etwa für Bildung, für Kindertagesstätten und Mittagsbetreuung. Und zweitens: „Können zukünftige Generationen das noch bezahlen?“ Das heißt, eine gigantische Verkehrsinfrastruktur zu pflegen und aufrecht zu erhalten. Wo aus ihrer Sicht Nachholbedarf besteht, ist der Schienenausbau. Noch etwas gab sie zu bedenken: „Die Natur, die wir kaputt machen, ist unwiederbringlich verloren“.

Das fürchten auch die Brückengegner. Mehr noch: mit den großen Logistikzentren beiderseits der Salzach erwartet Erich Althammer eine Verkehrslawine. „50 Hektar Gewerbegebiete stehen dort drüben zur Bebauung bereit“, erklärte er den Gästen, unter ihnen auch die Landessprecherin der Linken, Eva Mendl.

Was die Brückenkritiker besonders interessiert, ist das weitere mögliche Prozedere, denn bislang steht die Salzachbrücke nicht im vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans – und sie ist mit erheblichem ökologischen Risiken behaftet. „Was wird man in Brüssel dazu sagen?“, fragte Peter Schuster, der zweite Sprecher der Initiative. Althammer glaubt nicht, dass eine mögliche Entlastung von Laufen als Begründung für dieses Projekt ausreichend sein würde.

Im Jahr 2015 soll der geltende Bundesverkehrswegeplan fortgeschrieben werden. „Bis dahin sind Bundestagswahlen“, erinnerte Bulling-Schröter, „da gibt es andere Mehrheiten“. Und dann werde man sehen: was spare ich und wo spare ich? „Die Linke jedenfalls wird dabei helfen“, versprach sie. Und den Aktiven der Initiative sagte sie zu, ihre Fragen sowohl an die Kollegen im Verkehrs-Ausschuss, als auch an die Fraktion im EU-Parlament weiterzuleiten.

Auf die Frage, ob die Linken jetzt die besseren Grünen seien, antwortete die Abgeordnete schmunzelnd: „Einen grün angestrichenen Kapitalismus wird es mit uns jedenfalls nicht geben. Wirkliche Nachhaltigkeit muss ökonomische, ökologische und soziale Aspekte berücksichtigen“. Zum Beispiel auch in der Energiewende. „Wir brauchen Entschleunigung“, sagte sie zusammenfassend, „im Arbeitsleben, bei den Finanzströmen und bei der Fortbewegung.“

Gesagt, getan. Werner Eckl lud die Gäste noch zu einem gemütlichen Bummel durch die Laufener Altstadt ein. Gustl Prechtl gab Eva-Bulling-Schröter einen seiner geschliffenen Salzachkiesel mit auf auf den Weg. „Den kann man notfalls auch werfen“, sagte er.

Autor: Hannes Höfer

 

 

 

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