„Wir sind Kämpfer gegen ein unsinniges Projekt“ Artikel von Hannes Höfer in der SOR (23.09.2011)

Ein Jahr Bürgerinitiative „Für mehr Lebensqualität im Rupertiwinkel“ – Fest im Zelt

Josef Heringer Foto: Hannes Höfer

Laufen / Triebenbach (höf). Nein, es ist nicht der „trübe Bach“, der dem Ort Triebenbach seinen Namen gab. Der Antrieb der Mühlen war es, sagt Sepp Heringer, das was „Trieb macht, was umtreibt.“ Heringer ist froh und dankbar über eine Initiative „von unten“, die umtreibt, die kämpft für diesen „Winkel“ in einer globalisierten Welt, vor allem „ja“ sagt und nicht bloß „nein“. Die Bürgerinitiative „Nein zur Salzachbrücke. Für Lebensqualität im Rupertiwinkel“ hatte zum Einjährigen ins Zelt nach Triebenbach geladen; die Verantwortlichen schauten zurück und blickten voraus – feierten mit Sketchen, Gstanzln und viel Musik.

„Noch sind die Pläne für eine neue Salzachbrücke nicht im Papierkorb gelandet“, bedauert Erich Althammer, einer der beiden Sprecher der Initiative. Dennoch habe man in diesem einen Jahr viel erreicht. Inzwischen werde darüber breit, öffentlich und kontrovers diskutiert, denn es sei keineswegs so, wie von manchen Befürwortern anfangs behauptet, dass „alle diese Brücke wollen“. Seit der Gründungsversammlung im Juli 2010 hatte es zunächst eine Demo an der Salzach gegeben, zwei Großveranstaltungen, Infostände, und man habe eine vielbeachtete Internetseite eingerichtet. „Dazu haben wir uns der Bürgerallianz Grenzenlos angeschlossen“, berichtete Althammer, was gut sei für Kontakte und Informationen. Vor allem konnte man hochrangige Vertreter von SPD, Grünen und Linken an Ort und Stelle informieren und sensibilisieren.

Manfred Fuchs erinnerte an die Geschichte des Brückenprojektes. Im Jahr 2007 hatte die EuRegio eine Studie in Auftrag gegeben mit dem Ziel, einen Variantenvergleich zu erarbeiten. Der Grund: „In einem Natura-2000-Gebiet kann ein solches Vorhaben nur dann zugelassen werden, wenn zumutbare Alternativen nicht gegeben sind“. Das Ergebnis: alle vier Varianten zwischen Laufen und Freilassing kosten mit rund 20 Millionen Euro etwa gleich viel. Für Fuchs ganz wesentlich: „Der Standort Triebenbach erzielt die geringste Entlastung des angrenzenden Straßennetzes“. Damit verbunden sei eine „erhebliche Beeinträchtigung“ des Gebietes, „erhebliche Auswirkungen auf die Umwelt“ und letztlich „erhebliche Genehmigungswiderstände“. Fazit: die Studie empfahl die südlichste Variante.

Doch damit nicht genug an Studien. Erich Althammer nannte die derzeit laufende Prüfung eine „Pseudo-Variantenuntersuchung“, andere sprechen von Farce. „Für 40.000 Euro werden zwei weitere Standorte geprüft, die bereits vorher kategorisch abgelehnt wurden“.

Peter Schuster, ebenfalls Sprecher der Initiative, ging noch weiter zurück. Im Jahr 2000 waren gut 20 Planfälle untersucht worden, und daraus stammen auch die von Bürgermeister Feil immer wieder in die Diskussion gebrachten 84 Prozent Entlastung der Laufener Altstadt. Was es dafür laut Studie neben einer neuen Brücke an begleitenden Maßnahmen noch bräuchte, listete Schuster auf: Unter anderem Schrittgeschwindigkeit auf der alten Brücke, Tempo 30 in Oberndorf, Laufen und auf der Freilassinger Straße. „Warum fangen wir nicht damit an?“, fragte er und zitierte abschließend genüsslich aus dem „Handelsblatt“, das über die Aktivitäten von Verkehrsminister Ramsauer geschrieben hatte: „Hauptsache bauen, egal wo.“ Schuster präsentierte noch eine Zahl aus einer großen deutschen Wochenzeitung: ein 30-Tonner-Lkw belastet die Straßen etwa hunderttausendmal so stark wie ein durchschnittlicher Pkw.

Und diese Lastwagen werden kommen, wenn die Brücke erst einmal steht, befürchtet Althammer. „Unser schöner Rupertiwinkel wird zur Transitregion“. Dazu passend sangen Rudi Promok und Karl Zimmermann: „… was bei uns wachsen kannt, kimmt mit’n Lastwag’n aus fernem Land“. Althammers Appell: „Leute, wir brauchen andere Lösungen!“

Die wünscht sich auch Dr. Sepp Heringer. Er forderte dazu auf, die Eigenwertigkeit und Schönheit der Region besser wahrzunehmen, einer Landschaft, die nicht nur Natura-2000-Gebiet ist, sondern auch Biosphären-Reservat – eines von lediglich 15 in ganz Deutschland. „Eine Vorbildlandschaft für nachhaltige Entwicklung“, nennt er die Heimatregion und sieht in den Salzachstädten zwischen Salzburg und Passau eine „Perlenkette“ – und eine mögliche Weltkulturerbe-Landschaft.

Heringer erinnerte an den Artikel 141 der Bayerischen Verfassung, der den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen einfordert und die Verantwortung für kommende Generationen anmahnt. „Wir vertreten Verfassungsziele“, rief er den Gästen und den Aktiven im Zelt zu, „und legen so die Latte für andere.“

Für all jene mit anderer Meinung. Über dieses Thema dachte Anita Zimmermann laut nach. Mit Strohhut am Kopf erklärte sie, dass sie nicht zuständig sei; ja, dass man mit der eigenen Meinung nur Scherereien habe. „Wer kann sich heutzutage noch eine eigene Meinung leisten?“, fragte sie, „stellen Sie sich eine Stadtratssitzung vor, wo jeder eine eigene Meinung hätt’!“ Peter Schuster forderte die Besucher dennoch auf, mit den gewählten Vertretern zu reden. „Sprechen Sie mit einem Stadtrat Ihres Vertrauens. Fragen Sie Ihn nach Möglichkeiten aus diesem Verkehrsdilemma herauszukommen.“

Einem Verkehr, den Hugo von Hofmannsthal schon 1910 als den „Gott der neuen Zeiten“ bezeichnet hatte, als Tempel. „Denn jede Stunde, da Ware schneller rollt, schafft neuen Wert, ist bares Gold.“ Sepp Heringer erinnert an den Dichter des Jedermann und dabei ist ihm ein kleiner, aber feiner Versprecher passiert: Hugo von Hoffnungsthal nannte er den Mitbegründer der Salzburger Festspiele. Hoffnung haben auch die inzwischen 420 Mitglieder der Bürgerinitiative. „Auf Vernunft“, sagen sie.

Autor: Hannes Höfer

 
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