“Wir haben ein Recht darauf” (Artikel von Hannes Höfer am 11.10.11 in der SOR veröffentlicht)

Fußgängerfreundliche Stadt: „Wir haben ein Recht darauf“

„Slow Food“ und „Schulranzen“ nach Laufener Art – Zebrastreifen zum Ausrollen

Laufen (höf). Die Verkehrssituation in Laufens Altstadt ist untragbar, sagt Laufens 2. Bürgermeister Franz Eder. Und die rund 80 Teilnehmer der „Aktion Zebrastreifen“, zu der die Grünen eingeladen hatten, sehen das wohl ebenso. Jung und Alt war am Sonntag Mittag mit Schildern und Transparenten zum Marienplatz gekommen, um gegen die hohe Belastung zu protestieren; vor allem rasche Verbesserungen anzumahnen. Wenig begeistert zeigten sich die Autofahrer, die an den beiden ausgerollten Zebrastreifen anhalten mussten.

Es ist amtlich. Die Regierung von Oberbayern hatte die Stadt und den Kreis aufgefordert zu handeln. Der Grund: Die Feinstaub- und Stickoxidwerte in der Schloßstraße sind zu hoch. Was also tun? Auf eine mögliche Brücke zu warten, reicht Franz Eder nicht. Der 2. Bürgermeister verwies auf das Beispiel der Schwesterstadt Oberndorf, wo man die Straße am Gastag umgebaut hat, um den Verkehr zu verlangsamen. „Dort gilt Tempo 30 und zwei Verkehrsinseln gliedern die Straße“, beschrieb es Eder. Darüber hinaus hat Oberndorf ein Durchfahrtsverbot für Lkws über 7,5 Tonnen und allein auf der Brückenstraße drei Fußgängerüberwege.

Zwei solche Zebrastreifen rollten die Grünen dann über die Staatsstraße beim Marienplatz. Zweimal wechselten die Teilnehmer hinüber und herüber. „Das macht doch Spaß“, kommentierte Franz Eder den gemeinsamen Fußmarsch. Sepp Heringer reihte sich umweltfreundlich in den Verkehr ein. Auf einem Leiterwagen zog er sein „Slow Food“, einen Riesenkürbis. „Zentnerschwerer Globus aus der Laufener Altstadt“, nannte ihn Heringer und bleibt optimistisch: „Die Zukunft ist schmackhaft“. Aber nur mit einer anderen Verkehrspolitik, meint Agnes Thanbichler, Stadträtin der ÖDP. „Straßen sind nicht die Lösung“, betonte sie, und „Lagerhaltung auf der Straße“, vielleicht noch mit Riesenlastern, sei nicht zu akzeptieren.

Ein ganz praktische Lösung präsentierte Brigitte Sturm vom Bund Naturschutz. Sie hatte einen Laufener Schulrucksack kreiert. „Den empfehle ich Kindern und Eltern“, sagte sie und packte aus: eine Warnweste, eine Staubmaske und einen ausrollbaren Zebrastreifen.

Werner Eckl zählte auf, was Laufen seiner Ansicht nach kurzfristig helfen könnte: eine  Geschwindigkeitsbeschränkung – auch auf der B20 – , gesicherte Überwege, ein Autobahnanschluss Hagenau und ein Wegfall der Mautpflicht rund um Salzburg. „Solche Forderungen, wie sie teilweise auch von der EuRegio gestellt wurden, müssen von der Öffentlichkeit massiv unterstützt werden“, wünscht sich der Linken-Stadtrat. So sieht das auch Isabella Zuckschwerdt: „Es ist höchste Zeit, dass sich der Bürger zu Wort meldet“, findet die SPD-Rätin. „Gemeinsam lässt sich was erreichen. Yes, we can!“, ist sie überzeugt.

Auf eine Brücke zu warten, die nie kommen werde, reicht auch Peter Weissenböck aus Oberndorf nicht. Franz Eder erinnerte daran, dass dafür noch nicht einmal Planungsrecht besteht. Gar nicht zu reden vom Geld, denn allein die bisher genehmigten Maßnahmen des „vordringlichen Bedarfs“ würden beim derzeitigen Umsetzungstempo erst im Jahr 2035 abgeschlossen sein. Peter Schuster von der Initiative „Nein zur Salzachbrücke. Für Lebensqualität im Rupertiwinkel“ wünscht sich, dass nicht mit „Kanonen auf Spatzen geschossen wird“. Eine Vielzahl an Aktionen und Maßnahmen könne zum Erfolg führen. Die Triebenbacher Gruppe war mit einem alten, hölzernen Heuwagen zur Demo gekommen.

„Tempo 20 und geschützte Überwege“, wären schnell umsetzbare Maßnahmen, meint Eder, und mit Pförtner-Ampeln könnte man den Pendlerverkehr einschränken. Im nächsten Jahr wollen die Grünen erneut im Stadtrat beantragen, sich an der „Europäischen Woche der Mobilität“ zu beteiligen. Mit einem sogenannten „geteilten Raum“, wo sich alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt bewegen können. „Der Bereich von der Oberndorfer Brückenstraße bis zum Laufener Stadttor wäre dafür auch dauerhaft prädestiniert“, glaubt Peter Weissenböck. „Wir wollen auch in Laufen zu Fuß gehen“, wünscht sich Theresa Herrmann von der Initiative „Laufen zu Fuß“ ausdrücklich. „Fordern Sie Verbesserungen“, rief Organisator Franz Eder die Teilnehmer auf, „wir haben ein Recht darauf.“

AUTOR: Hannes Höfer

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